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Warum Kinder das Spielen verlernen: Ursachen und Folgen

Freies Spielen im Kindergartenalter
- Teil 2 -

Das freie Spielen und das Spielen mit allen Sinnen - quasi das Spielen 1.0 - sind sehr ein sehr wichtiger Baustein der kindlichen Entwicklung ist. Doch leider verlernen immer mehr Kinder diese wichtige Kompetenz. Und das hat weitreichende Folgen.

Ich möchte dir die aus meiner Sicht 5 wichtigsten Gründe vorstellen, bevor ich auf die Folgen eingehen werde.

1. Zu viele Termine

Das kennen wir wohl alle oder beobachten es in unserem Umfeld. Der Vormittag gehört dem Kindergarten, der Schule dem Haushalt und der Arbeit. Und der Nachmittag? Den planen wir uns mit Musikkindergarten, Hobby 1, 2 über mehrere Kinder voll. 

Wenn jedoch das Spielen an sich so ein wichtiger Baustein für die kindliche Entwicklung ist, sollten wir uns auch dafür ungestörte Zeit einplanen. Wenigstens einen Nachmittag OHNE fixe Termine, frei zum Spielen, zum spontan sein, zum Entdecken.

2. Zu früher und zu langer Medienkonsum

Hier kann man schnell mal eine hitzige Diskussion hervorrufen, wenn man in den Raum stellt, dass Kinder so spät wie möglich mit Medien in Kontakt kommen sollten und sogar gut ist, wenn Kinder erst mit 3 oder 4 Jahren herausfinden, wofür die Fernbedienung gut ist und dann so wenig wie möglich TV schauen. Und natürlich bin ich mir bewusst, dass dies bei einem Kind leichter einzuhalten ist als bei 2 oder 3 Kindern (ich habe 3 Kinder).

Doch gerade in der heutigen, medien- und computergestützten Zeit ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, Kinder an einen gesunden Umgang mit Medien heranzuführen und ganz besonders auch darauf zu achten wie lange und für welchen Inhalt wir unseren Kindern Medien zugänglich machen.

Denn bei frühem und intensivem Medienkonsum treten bei Kindern häufiger Konzentrationsstörungen auf.

Die BLIKK-Studie 2017 zeigt, dass digitale Bildschirmmedien bei Kinder Schaden anrichten. So wurde durch objektive Messung durch Kinderärzte gezeigt, dass die Smartphone-Nutzung bei Kindern zwischen 2 und 5 Jahren mit Konzentrationsstörungen und Störungen der Sprachentwicklung einhergeht. Die Studie legte auch offen, dass 70% der 2-5-jährigen Kinder für wenigstens 30 Minuten täglich das Smartphone der Eltern nutzen dürfen.

3. Animierte Spielsachen

Animierte Spielsachen sind ähnlich wie Medienkonsum in Form von Spielen darauf ausgelegt dem Kind für eine Handlung eine sofortige Belohnung zu geben. Bildlich übertrieben kann man sich auch ein Tier vorstellen, welches fürs Männchen machen ein Leckerli bekommt und dies so lange macht bis ihm schlecht wird. Weil es das Leckerli haben möchte.

Ähnlich wie beim Glücksspiel werden auch hier Belohnungssysteme im Gehirn aktiviert und so eine Art Abhängigkeit gefördert.

Was sind animierte Spielsachen?
Darunter verstehe ich Spielsachen, die aufgrund der Aktion des Kindes eine programmgestützte Reaktion hervorrufen. Das können Geräusche sein, blinkende Lichter, Vibrationen oder wechselnde Bilder. Das Spielen mit solchen Materialien ist auf das Auslösen der Reaktion ausgelegt und hat keinerlei freien Spielcharakter.

Was sind Alternativen?

Alternativen sind Spielsachen, die eine – ich nenne es jetzt einfach – "natürliche" Reaktion auf eine Aktion bzw. Handlung des Kindes auslösen. Das kann zum Beispiel ein verändertes Bild eines Kaleidoskops sein. Auch eine Holzkiste mit verschieden geformten Öffnungen durch/in die man Holzbauklötze durchschieben kann beinhalten natürliche Reaktionen auf die Aktion des Kindes. Und auch beim Bauen eines Turmes, der vielleicht irgendwann aufgrund schwieriger werdender Statik einstürzt, zählt dazu.

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4. Das "Ich-habe-nichts-zum-Spielen-Kinderzimmer"

Wer kennt das nicht selbst vom eigenen Kleiderschrank? Bis oben gefüllt und doch hat man das Gefühl, man hat nichts zum Anziehen. Stimmt's?

Für Kinder fühlt sich ein zu volles, überladend wirkendes Spielzeugangebot ähnlich an.

So fällt dem Kind die Auswahl extrem schwer sodass es sich nicht entscheiden kann. Vor allem dann, wenn das Spielzeugangebot gerade nicht zum aktuellen Entwicklungsfenster oder Interessengebiet passt.

Das führt mich auch gleich zum fünften Punkt.

5. Fehlendes geeignetes Spielmaterial

Entscheidend für eine gelungene Einladung zum freien Spielen sind ansprechende Spielmaterialien. Spielmaterialien, die die Kreativität und Fantasie anregen, die sich für Kinderhände gut anfühlen und vielfältige Einsatzmöglichkeiten bieten. Eine Abstimmung auf die aktuellen Interessen und Fähigkeiten des Kinder fördern dies noch mal. Fehlt ein solchen Spielmaterial, fällt es dem Kind zum einen schwer sich selbst zu beschäftigen und hat so weniger die Möglichkeit, sich kreative im freien Spiel auszuprobieren.

Das waren jetzt einige Gründe, die verhindern können, dass sich Kinder im freien Spielen entfalten. 

Und auch wenn dies einige Punkte sind, die bei jedem von uns mehr oder weniger präsent sind, so sind dies doch auch Bereiche, auf die wir Einfluss haben. Stimmt's?

Es sind Dinge, die wir verändern können. Nach und nach.

Denn selbst durch kleine Veränderungen lässt sich langfristig sehr viel erreichen. Ich mag das Sprichwort: "Steter Tropfen höhlt den Stein." Es zeigt einem sehr eindrücklich und bildlich auf, dass auch tägliche Impulse eine Wirkung haben. Sowohl die förderlichen wie auch die negativen.

Was sind die Folgen?

Aus meiner Sicht gibt es mehrere Folgen, wenn Kinder das ursprüngliche Spielen nicht lernen oder weiter verlernen.

  • Die Neugier nimmt ab
  • Das Kind findet eigenständig keine Lösungen
  • Kinder werden abhängig von Impulsen von außen
  • Kinder verlieren den Bezug zu eigenen Stärken und Interessen
  • Inaktivität führt zu Bewegungsmangel


Diese Folgen zu vermeiden oder zu reduzieren ist wichtig, um eine positive Grundlage für neugieriges, freudiges Lernen zu schaffen. Denn die Erfahrungen im Spielen fördern das Selbstvertrauen, schaffen Raum für Begeisterung und stärken Kinder von innen heraus, da zum Beispiel ein im Spiel erlebter Umgang mit Konflikten oder das Eintauchen in verschiedene Rollen Resilienz und Stressresistenz fördert.

Möchtest du etwas ausprobieren?

Ja? Dann reflektiere für Dich die verschiedenen Bereiche, die hemmend auf die Entfaltung des Spielens 1.0 wirken und überlege, ob Du einen dieser Bereiche bewusst neu gestalten möchtest.

Zum Beispiel: ein Fotoalbum anschauen, statt Bilder auf dem Smartphone. Ein animatöses Spielzeug aussortieren (und glaub mir, sowas bekommt fast jeder mal geschenkt und freut sich, wenn die Batterien leer sind!). Im Kalender nach einem freien Zeitblock schauen und ihn fest im Wochenplan verankern.


Wähle für dich die eine Sache, die du am schnellsten umsetzen kannst und lege los. 


Bleibe neugierig und vergesse nicht zu spielen!


Stefanie

"In der heutigen Zeit verlernen Kinder mehr und mehr das Spielen. Doch Spielen ist ein wichtiger Bestandteil und essentieller Schatz der kindlichen Entwicklung, den es mit aller Kraft zu bewahren gilt."


Stefanie

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